Wer ist General Verdacht?
Na, der Typ mit dem Rollstuhl.

Quelle: http://www.gamestar.de/community/gspinboard/showpost.php?p=7981190&postcount=26
1 comment 30.12.2007
Na, der Typ mit dem Rollstuhl.

Quelle: http://www.gamestar.de/community/gspinboard/showpost.php?p=7981190&postcount=26
1 comment 30.12.2007
Die Vorratsdatenspeicherung ist in trockenen Tüchern. Zwar ist die Verfassungsbeschwerde schon angekündigt (genauer 13.000) und auch der Bundespräsident könnte das Gesetz nicht unterzeichnen, aber ich möchte an dieser Stelle noch auf ein Problem hinweisen, welches bisher kaum Beachtung fand. Neben den den politischen und juristischen Unsicherheiten schafft die Vorratsdatenspeicherung in ihrer jetzigen Form genau das, was sie eigentlich bekämpfen soll.
Ein unkontrollierbares Netz.
Im Zuge der aktuellen Berichterstattung über die Vorratsdatenspeicherung wird immer häufiger auch erklärt, wie man diese umgehen kann.
Ich fand es interessant, dass z.B. beim Radio Fritz vor kurzem (einem nicht näher bezeichnenten Zeitpunkt in der Vergangenheit, da ich mich nicht mehr erinnern kann, wann) erklärt (wohlgemerkt im Zuge der normalen Berichterstattung, nicht der des Chaosradios) wurde, dass man sich mit Tor vor der Aufzeichnung der IP-Adresse schützen kann.
Ich möchte jetzt an dieser Stelle gar nicht die Effektivität der vorgeschlagenen Gegenmethoden diskutieren (die vom, aus meiner Sicht esoterischen, erzeugen von Netzrauschen, bis zur Verwendung von offenen WLAN reichen), sondern nur die Entwicklung der Berichterstattung und dem Wissen der Nutzer.
Bis vor kurzem galt (im Gedächtnis des Durchschnittsnutzer) das Internet als anonymer Ort. Die größte Gefahr waren Viren. Seit dem Beginn der Berichterstattung sickert bei vielen die Erkenntnis durch, dass dem nicht so ist. Zumindestens die IP wird gespeichert. Im Zuge dessen wandern immer mehr Nutzer in Dienste wie Tor ab.
Auch Filesharer die inzwischen einen Großteil des Traffics des Internets ausmachen, dämmert nun langsam großflächig, dass sie mit der neuen Vorratsdatenspeicherung am gluteus maximus zu packen sind. Gerade Vorschläge wie die des Bundesrats, ein standardmäßiges Auskunftsrecht für Zivilprozesse führen dazu.
Halten wir fest:
Doch inwiefern stärkt nun die Vorratsdatenspeicherung den Terrorismus bzw. begünstigt die Verbreitung von Kinderpornografie?
Es existiert bereits jetzt Software, die ein komplett anonymen und verschlüsselten Austausch von Daten ermöglicht. Momentan fristet diese noch ein Nischendasei. Diese Software basiert aber darauf, das viele Menschen sie einsetzen.
Wenn man sich den Wachstum des Tor Netzwerks vor Augen führt( von 800 Servern auf 1600 in knapp einem Jahr), bekommt man eine Vorstellung was passiert wenn ein Thema wie Anonymisierung in den Köpfen der Nutzer angekommen ist.
Nehmen wir nun die Gruppe der Filesharer. Das die Szene eine hohe Flexibilität bei der Wahl des eingesetzten P2P-Netzwerks besitzt hat bereits die Musikindustrie leidvoll erfahren müssen. Während immer noch versucht wurde das Gnutella-Netzwerk trocken zu legen, war der Großteil schon längst im E-Donkey Netzwerk angekommen. Als man schließlich das E-Donkey Netzwerk anging, war der Großteil bereits über zu Bittorrent-Trackern gewechselt.
Die sind nicht nur schneller, sondern auch juristisch schwerer zu fassen. Momentan bekanntestes Beispiel dürfte piratebay.org sein, welches sich mit einer bemerkenswerten Renitenz der Unterhaltungsindustrie in den Weg stellt.
Leider finde ich gerade keine Zahlen, die den Wachstum des P2p-Netzwerke zeigen. Daher muss ich auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Wenn aktuelle torrents von US-Serien rund 3.000 Seeder und 27.000 Leecher haben und man eine aktuelle Folge von z.B. Scrubs kurz nach der Ausstrahlung in USA innerhalb von einer Stunde (wenn man etwas länger wartet, sogar innerhalb von wenigen Minuten) bekommt, kann man sich vorstellen, was für eine potenzielle Anzahl an Nutzern existiert, die ein anonymisiertes Netz erzeugen könnten. Alleine die Zahl der Server die wöchentlich die aktuellen Naruto-Folgen seeden sind mehr als das Tor-Netzwerk je hatte.
Sollte die Vorratsdatenspeicherung einsetzen und dafür sorgen, dass ein Großteil der Filesharer sich mit den Anoymisiern verbündet, erreicht sie genau das Gegenteil von ihrer Bestimmung.
Man stelle sich einfach vor, der Großteil der aktuellen Filesharer würde in ein Netzwerk wechseln, das ein anonymes verschlüsseltes Bittorrent ist. Dazu ist gar nicht unbedingt eine Änderung an der Infrastruktur des Tracker nötig, nur an dem Code der Clients. Oder sie wechselten gleich in das freenet.
Es würde für alle Beteiligten unmöglich, herauszufinden, wer der ursprüngliche Verteiler einer Datei ist. Damit könnten Terroristen und Kinderschänder unbehelligt ihren Müll im Internet verbreiten.
Ich glaube kaum, dass das gewollt sein kann.
P.S.:
Ja, ich benutze die Totschlagargumente Terrorismus und Kinderschänder bewusst, um den immer gleichen plakativen Äußerungen mit gleicher Kraft entgegenzutreten.
Add comment 07.12.2007
Innenminister Schäuble hat klar gestellt, dass die Onlinedurchsuchung NICHT von der Steuerfahndung eingesetzt werden soll. Der Gesetzentwurf enthalte nur Befugnisse für die Terrorismusbekämpfung. Abgesehen davon, stehe dem das Grundgesetz entgegen.
Ja, ne ist klar.
Ich möchte dem geneigten Leser an dieser Stelle ein paar Dinge aufzeigen:
Wer ernsthaft glaubt, dass Schäuble freiwillig halt macht irrt.
Via: http://www.golem.de/0712/56320.html
1 comment 04.12.2007