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Wie mir diese scheinheilige Enke-Scheiße auf den Keks geht.
Seit Tagen werden alle Nachrichten von dem Tod irgendeines Ballfängers blockiert. Sicher, die Angehörigen haben einen Verlust erlitten, den ich gar nicht zerreden möchte. Warum jetzt aber die, gefühlte, halbe Nation Kopf steht will mir nicht in den Kopf.
Es wollte mir nicht in den Kopf, als Michael Jackson gestorben ist oder als „Prinzessin Diana“ gestorben ist. Ich kann es nicht nachvollziehen, wie so viele Leute um einen Menschen trauern können, den sie vermutlich nie persönlich getroffen haben oder gar in Person gesehen haben. Oder besser formuliert, ich kann es nicht nachvollziehen, wie man eine derart asymmetrische Bindung an eine Person entwickeln kann.
Klasse sind auch die, die sich über die aufregen, die sich darüber aufregen, dass hier die Nachrichten blockiert werden.
Da soll man nicht sagen dürfen, dass so ein Schienensuizid für die Aufräumenden eine echte Belastung ist. Klar ist mir bewusst, dass man in diesen Situationen nicht unbedingt denkt, „Wer räumt mich eigentlich weg?“. Aber man muss sehr wohl festhalten, dass so ein Schienensuizid objektiv deutlich störender ist, als die Variante Strick+Kellerbalken.
Da muss man sich dafür rechtfertigen, wieso es einem egal ist, dass sich ein Fußballer umgebracht hat.
Oder man wird böse angeschaut, wenn man sagt, dass normalerweise wegen des „Werther-Effekts“ diese Form der Berichterstattung ausgeschlossen ist und man sich frag, wie viele Opfer das wohl jetzt kosten wird.
Was mir aber wirklich ankotzt, ist diese Scheinheiligkeit mit der auf seine Depression eingegangen wird. In einer Gesellschaft in der gemeinhin jede Schwäche ausgenutzt und gegen einen verwandt wird; in der TV-Charaktere, die an Depression leiden, als Witzfiguren dienen (bei Stromberg), fragt man sich jetzt wirklich ernsthaft, wieso er seinen Arzt und seine Angehörigen über seinen Zustand getäuscht hat. Einer Gesellschaft, in der man fürchten muss, ob berechtigt oder nicht, im Falle des Bekanntwerdens seiner Krankheit sein Kind und seine Karriere zu verlieren.
Oder diese lächerliche Frage, „Warum? Er hatte doch alles!“ Als wäre das in diesem Fall eine Erwiderung.
Natürlich auch jetzt wieder der obligatorische Aufruf, an den Unis oder der Schulen, man möge sich doch bitte bei Selbstmordgedanken oder Problemen an die Beratungseinrichtungen wenden. Gibt es da eigentlich eine gesetzliche Verpflichtung zu, oder fühlen sich die Leute nur dazu berufen diesen Schmarn abzusondern?
Ich muss in diesen Situationen immer an die Simpsons-Folge denken, in der Homer den Stempel „INSANE“ auf die Hand gedrückt bekommt.
Der beste Spruch den ich bisher gehört habe war, „Es ist, aus meiner Sicht, in unserer Gesellschaft keine Schande mehr, solch eine Betreuung in Anspruch zu nehmen.“
Doch ist es – und genau das ist das Problem.
Add comment 13. November 2009
Judenhass vs. Islamhass
Wenn man etwas erfahren möchte über die Doppelzüngigkeit der meisten muss man nur folgende Witze in zwei unterschiedlichen Formen erzählen:
- Wenn ich groß bin, werde ich der nächste Hitler und werde alle Moslems und einen Clown umbringen.
- Warum der eine Clown?
- Siehste, niemand interessiert sich für die Moslems.
Und nun die jüdische Variante:
- Wenn ich groß bin, werde ich der nächste Hitler und werde alle Juden und einen Clown umbringen.
- Warum der eine Clown?
- Siehste, niemand interessiert sich für die Juden.
Oder:
Eine Wache reiht in Guantanamo drei Moslems nebeneinander auf und sagt, „wer von euch am höchsten springen kann, bekommt ein Brot extra.“
Der erste springt 0,5m, der zweite 1,5m, der dritte 2,5m. Sagt die Wache, „erschießt ihn, er kann über den Zaun springen!“
Eine Wache reiht im KZ drei Juden nebeneinander auf und sagt, „wer von euch am höchsten springen kann, bekommt ein Brot extra.“
Der erste springt 0,5m, der zweite 1,5m, der dritte 2,5m. Sagt die Wache, „erschießt ihn, er kann über den Zaun springen!“
Prinzipiell kann man das mit allen Rassistischen Witzen machen. Man muss nur die Zielgruppen verändern. Finde ich persönlich schon interessant.
Add comment 8. November 2009
Piraten: Über dem rechten Auge eine Augenklappe?
Erst Thiesen, dann hat Andi Popp hat der Jungen Freiheit ein Interview gegeben nun hat auch noch Jens Seipenbusch der Jungen Freiheit einen Fragenbogen beantwortet. (Das die zeitliche Reihenfolge nicht so war, sei jetzt mal ignoriert.)
Haben die Piraten ein Problem mit einer „nach rechts offenen Flanke“? Ist die hartnäckige Weigerung der Piraten sich in das so bequeme rechts-links-Schema einordnen zu lassen, etwa eine arglistige Strategie um sich als rechte Bürgerrechtler zu etablieren?
So kann man die Kritik verstehen, die momentan auf die Piraten vor allem aus dem linken Lager einprasselt.
Das Problem ist nur, wer den Piraten attestiert sie würden das rechte Spektrum zumindest umwerben, hat den grundsätzlichen Ansatz der Piraten nicht verstanden.
Die Junge Welt schreibt:
Zwar hat die große Mehrheit der Mitglieder der Piratenpartei mit rechtsextremem Gedankengut nichts am Hut. Doch da hier Meinungsfreiheit völlig losgelöst von realen politischen Entwicklungen gesehen wird, haben die Piraten eine offene Flanke nach Rechtsaußen.
Das klingt für mich wie, Meinungsfreiheit ist toll, aber bitte nur für mir genehme Personen. Dass die Piraten in erster Linie für Bürgerrechte für alle (Das impliziert auch für die Rechten.) sind führt natürlich dazu, dass man ihnen, wenn man möchte, unterstellen kann nach „rechts offen“ zu sein.
Wer diese Logik nutzt, muss den Piraten konsequenter Weise auch unterstellen „nach links“ offen zu sein, weil sie ja auch für Bürgerrechte für Linke sind.
Oder man aktzeptiert einfach folgendes:
Die Piraten kämpfen für Grundrechte wie die Meinungsfreiheit. Das von diesem Kampf auch immer die Extreme profitieren, liegt in der Natur der Sache.
Bisher hat niemand den Mitgliedern der Piraten unterstellt rechts Gedankengut zu verteidigen. Das zeigt eigentlich wie absurd die Diskussion ist. Eine Partei deren Mitglieder nicht rechts sind kann nach meinem Verständnis auch nicht rechts sein.
Ich hoffe dieser Eintrag kann einige Fragen die ich wohl mit meinen Tweets aufgeworfen habe beantworten.
Für mich stellt sich nun die Frage, wenn man sowohl für rechts, als auch für links kämpft, wo steht man dann?
Add comment 17. September 2009
Hat sich die FDP an die Bürgerrechte erinnert?
Wenn man die Äußerungen der stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion Sabine Leutheusser-Schnarrenberger doch nur ernst nehmen könnte.
Eins vorweg, ich glaube Frau Leutheusser-Schnarrenberger, wenn sie sagt, dass sie die Internetsperren und die Vorratsdatenspeicherung rückgängig machen möchte. Ich glaube es auch den (einigen) JuLis, wenn diese sagen, sie seien für (starke) Bürgerrechte.
Das Problem bei der FDP ist nicht, dass sie keinen Flügel der Bürgerrechtler haben. Das Problem ist, dass dieser Flügel bei jeder Gelegenheit verraten und seine Positionen zur Verhandlungsmasse erklärt werden.
Wenn sich die FDP jetzt, im Wahlkampf, zu diesen Themen äußert, habe ich ein Problem es der FDP als Gesamtes zu glauben.
Das man Frau Leutheusser-Schnarrenberger jetzt im Wahlkampf wieder loslässt, um vielleicht auch Stimmen von den Piraten abzuziehen, kann ich da leider nur ein Wahlkampfmanöver drin erkennen.
Die FDP hat (als Gesamtes) zu viel mitgetragen um als glaubwürdige Bürgerrechtspartei zu gelten.
Ich hätte allerdings kein Problem in Bürgerrechtsfragen mit der FDP zusammenzuarbeiten.
Add comment 17. September 2009
Meine Meinung zu Andi Popps Interview mit der Jungen Freiheit
Ich kann den ganzen Trubel um das Interview von Andi Popp mit der Jungen Freiheit nicht nachvollziehen.
Inhaltlich ist an dem Interview aus meiner Sicht nichts auszusetzen.
In dem Interview wurde nichts gesagt, was man als „rechts“ einstufen kann. Andi hat sich bei den rechten Fragen klar distanziert.
Wenn es bei der ganzen Aufregung darum geht, dass man der falschen Zeitung ein Interview gegeben hat, muss ich mich doch fragen, was für ein Verständnis der Pressefreiheit hinter dieser Kritik steckt.
Ich kann nun wirklich nicht nachvollziehen warum man nicht allen Zeitungen, sofern es die Zeit zulässt, eine Möglichkeit des Interviews geben sollte. Dieses herauspicken der „Hofberichterstattung“ ist doch etwas, was man bei den bisherigen Politkern immer kritisiert.
Man kann doch nicht den einen Politkern vorwerfen, sie würden bestimmte Zeitungen ausschließen und gleichzeitig das gleiche von den Piraten fordern.
Andi hat übrigens auch eine Stellungnahme zu dem Thema veröffentlicht.
2 comments 14. September 2009
Piraten: Bericht vom Piratischen Infostand
Wieder geht ein Wochenende zu Ende und erneut habe ich an einem Infostand der Piratenpartei teilgenommen.
Der Infostand selber hat erfolgreich Feedback erzeugt. Man kann sagen, der Bekanntheitsgrad der Piraten ist soweit gestiegen, dass der Name Piratenpartei mittlerweile überall zumindest einmal gehört wurden. Hat man bei dem ersten Infostand noch die Rückmeldung bekommen, „Piraten, wer seit ihr denn?“, war diesmal deutlich mehr Interesse oder Ablehnung zu spüren.
Auch Tauss war ein Thema, aber eher im Vorbeigehen. Haben halt das eine oder andere böse Wort gerufen. (Da steht man ja mittlerweile drüber) Einige, die die tatsächlich stehen geblieben sind, konnte man auch mal aufklären.
Diesmal war in der Fußgängerzone deutlich stärkere Konkurrenz. Sowohl Linke, als auch FDP und CDU hatten sich ebenfalls eingefunden. (Linke (oder war es Ver.di?) an dem einen Ende, Tiegerenten am anderen Ende der Straße, Piraten in der Mitte) .
Wir mussten den Stand leider relativ früh abbrechen um noch rechtzeitig zur Freiheit-statt-Angst-Demonstration zu kommen.
Flyer verteilen macht man mit den Augen
Flyer verteilen ist eine Kunst für sich. Die richtige Mischung aus unaufdringlich und bestimmt muss man erstmal lernen. War es bei den letzten Malen so, dass die Nachfrage kam „Piratenpartei, was ist denn das?“, hieß es diesmal schon häufiger „Ach, Piratenpartei, ja gib mal her!“. Mein subjektiver Eindruck ist, dass der Name mittlerweile bekannter ist und weniger mit „Spaßpartei“ assoziiert wird. Was für mich immer wieder überraschend ist, dass auch viele ältere Wähler sich von uns zumindest das Programm mitgeben lassen. Ich denke, mein persönlicher Erfolgsschnitt ist bei älteren Wählern höher als bei jungen oder gar Erstwählern. (Wie hat es mir neulich jemand von meinen Mitpiraten an den Kopf geworfen, ich sei ja Typus „perfekter Schwiegersohn“ Ieeh, bääh. Aber, was tut man nicht alles für „die Partei“
)
Auch für Irre hat man Zeit
Mir wurde es schon in der Vorbereitung von den Infoständen gesagt, man solle sich darauf gefasst machen, dass man da wirklich von Leuten als Seelsorger „missbraucht“ wird.
Ich scheine eine Ausstrahlung zu haben, die sagt, „Ach dem jungen Mann kann ich doch bestimmt mal meine Verschwörungstheorien oder generell meine Leidensgeschichte erzählen.“
Natürlich lieber Passant, ich habe quasi hier gewartet um nur ihnen zuzuhören.
Aber, auch hier gilt, wenn Sie die Piraten wählen, bitte. Zuhören, nicken, an den richtigen Punkten die Standpunkte der Piraten einbringen.
Evtl. sollte ich noch einen Kurs als Gehirnwäscher oder Psychotherapeut machen. ![]()
Natürlich gebe ich auch gerne meine Telefonnummer heraus, dumm nur, ich habe kein Handy und meine Telefonnummer weiß ich auch nicht auswendig.
Naja, wenigstens meine E-Mail-Adresse konnte ich noch auswendig.
(Spinner-E-Mails kann ich nämlich einfach löschen.
)
„Braun ist die Zukunft“ oder „Werde ich hier gerade vom Verfassungsschutz ausgefragt“
Ich ziehe ja die Leute, die die Energie haben eine Stunde an einem Wahlkampfstand zu quatschen, magisch an. Habe ich ja auch kein Problem mit, so geht die Zeit auch rum. Komisch wird es nur, wenn einem das Gegenüber die ganze Zeit versucht Aussagen zu entlocken bzw. in den Mund zu legen, die, ich formuliere es mal vorsichtig, nicht mit der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu vereinbaren sind. Und zwar in einer Art und weise, dass man sich fragt, „ist hier irgendwo versteckte Kamera?“ oder „seit wann werden die Piraten vom Verfassungsschutz beobachtet?“ (Paranoia Oo)
Er meinte auch er sei Protestwähler, vielleicht konnte ich ihn doch dazu überzeugen, eher die Piraten zu wählen.
Abgeschlossen hat er das Gespräch übrigens mit „Die Zukunft ist braun.“ Ich meine nur, „Ich hoffe ja eher, die Zukunft ist orange.“
Udo Brömme
Zwischenzeitlich waren wir auch auf der Suche nach einigen anderen Piraten, deshalb sind wir zu der CDU hoch gewandert. Dort sind wir unbeabsichtigt Udo Brömme sammt Aufnahmeteam in die Arme gelaufen, die uns natürlich auch in gekonnter Weise durch den Kakao gezogen haben. Meine Synapsen haben fast die ganze Zeit überlegt, es hat dann doch eine Weile gedauert, bis ich den Namen Udo Brömme in den richtigen Zusammenhang bringen konnte. Entsprechend wenig Kontra habe ich da auch gegeben. Wir konnten aber wenigstens einen Teil unsere Standpunkte unterbringen.
Vermutlich darf man sich darauf freuen demnächst ein paar dilettantische Piraten im Fernsehen zu sehen. (NDR – Kulturjournal)
Ich habe es schon oben geschrieben, was tut man nicht alles für die Piraten.
FDP – Umzug zu den Piraten
Irgendwann ist die FDP von dem CDU-Fleck dann doch zu uns umgezogen. Ob sie sich damit schon mal politisch neu positionieren wollten?
(Ich vermute sie sind vor Brömme geflohen, was ihnen dann nicht ganz gelungen ist.)
Das hat leider bei einigen die Frage aufgeworfen, ob wir entweder ein Ableger der FDP seien oder ob hier schon Koalitionsaussagen getroffen werden. Konnte die Fragesteller aber beruhigen.
Auf zur FsA
Etwas früher als gewohnt haben wir dann den Stand abgebaut und sind zur FsA-Demo.
Add comment 13. September 2009
Schläge auf der Freiheit-statt-Angst-Demo 2009
Ich war ja auch auf der FsA-Demo 2009. Nach allem was ich mitbekommen habe, ist die Demo friedlich verlaufen. (Auch die Berliner Polizei spricht von weitgehend störungsfrei.) Zwischenzeitlich hatte es aufgrund unterschiedlicher Marschgeschwindigkeiten zwar die Demo kurz in der Mitte zerrissen, aber das hat man hat auch wieder hin bekommen.
Was mich umso mehr erschreckt, sind die Berichte über „Polizeibrutalität“ auf der Demonstration.
Ich bin nun bei Leibe kein Freund des schwarzen Blocks oder der Kravalltouristen. Was ich aber auf diesem Video gesehen habe, ist meines Erachtens nicht zu rechtfertigen.
Dass in manchen Fällen der Einsatz von Gewalt durch die Polizei erforderlich ist, ist traurig, aber wahr. Wo jetzt in diesem Fall die konkrete Gefahr für die Polizei, die öffentliche Sicherheit oder irgendeine andere Begründung für die Faustschläge herkommen soll, ist mir nicht klar.
Die Aggression mit der hier vorgegangen wird ist weder durch die Stimmung während der Demonstration, noch durch das Verhalten des Opfers gerechtfertigt. Die Stimmung kann so bedrohlich nicht sein, wenn die Polizei bisher nicht den Helm aufgesetzt hat. Ich muss es hier mal ganz klar sagen, weder Beleidigungen, noch das Nichtbefolgen von Anweisungen berechtigen zu Faustschlägen ins Gesicht! (Um mal die beiden Hauptgegenargumente in solchen Fällen zu nennen.)
Die Berliner Polizei ermittelt (angeblich mit Vorrang) hier ausnahmsweise mal von sich aus. Das liegt wohl auch daran, dass ausnahmsweise alle beteiligten klar zu erkennen sind und Videoaufnahmen existieren. Vielleicht kommt ja ausnahmsweise auch mal was bei heraus und die Ermittlungsarbeiten verlaufen nicht wieder im Sande. Es ist nämlich auch im Interesse der Berliner Polizei selbst, zu zeigen, dass so ein Verhalten in den eigenen Reihen nicht geduldet wird.
Ja, die Polizei gibt es nicht. Es sind alles Individuen und genauso wenig, wie die Piraten mit Farbbeutelwerfern oder Geschichtsrevisionisten in Verbindung gebracht werden wollen, sollte es aber auch den Berliner Polizisten wichtig sein, nicht mit „Hooligans in Uniform“ in Verbindung gebracht zu werden.
Ich muss an dieser Stelle aber auch sagen, dass ich die „Fahndungsaufrufe“, wie sie jetzt durch Twitter geistern nicht gutheißen kann. Auch Polizisten haben ein Recht darauf, nicht an den Pranger gestellt zu werden. Zumal überhaupt noch nicht klar ist, was da vorgefallen ist, ob es die Richtigen sind, die da gezeigt werden, usw. Sicher würde eine eindeutige Identifikationsnummer bei der Polizei hier helfen.
Die JuPis haben übrigens am Montag zu eine Mahnwache anlässlich des Vorfalls aufgerufen.
Add comment 13. September 2009
Piraten: Infostand erfolgreich – Bekanntheitsgrad der Piratenpartei gestiegen
Der heutige Infostand der Piraten war recht erfolgreich.
Einige Gespräche geführt, viele Flyer verteilt und vor allem Präsenz gezeigt.
Vom Outfit her hätte man uns zwar heute mit der Jungen Union oder der FDP verwechseln können, aber so konnte man auch vor allem ältere Wähler erreichen.
Erstaunlich war, dass der Bekanntheitsgrad der Piraten seit dem letzten Samstag stark angestiegen ist. Viel mehr Vorwürfe, wir hätten die Themen der Grünen kopiert oder die Information man hätte uns sowieso schon gewählt (Briefwahl).
Add comment 5. September 2009
Piraten: Ich bin gegen die Frauenquote
Man wird mir jetzt die Sexismus-Keule über den Kopf ziehen, da ich es wage mich als Mann zu diesem Thema zu äußern, aber wayne…
Momentan köchelt ja auf der Berliner Mailingliste und in einigen Blogs der Vorwurf ‘rum, die Piratenpartei und damit ihre Mitglieder seien frauenfeindlich.
Etwa, weil in der Regel die Ansprache „Pirat“ und nicht „Pirat und Piratin“ genutzt wird oder weil wir kein „Frauen nach oben„-Schild im Wahlprogramm haben.
Da wird einem vorgeworfen, es gebe keine weiblichen Listenkandidaten. Gut, den Fakt, dass zu dem Zeitpunkt als die Listen aufgestellt wurden überhaupt nur gefühlte 100 Piraten existiert haben und davon vielleicht 3 weiblich waren, den ignorieren wir mal. (Zahlen geraten, vermutlich könnte die Mitgliederdatenbank genauere Auskunft geben.) Fakten verwirren…
Dann der Vorwurf Pirat vs. Piratin:
Eigentlich ist das ein Thema, was die Frauen doch bitte unter sich ausmachen sollen. Die Frauen mit denen ich in der Piratenpartei bisher zu tun hatte, hatten bisher den Standpunkt „Es heißt Pirat, dass ich weiblich bin, weiß ich selbst“. Aber gut, wenn sich die weiblichen Neu-Piraten dadurch diskriminiert fühlen, dass man nicht bei jeder Gelegenheit ihre Weiblichkeit extra betont, sollen sie sich von mir aus Piratin nennen.
Aber, da der Vorwurf an die gesamte Piratenpartei und damit ihre Mitglieder und dadurch wiederum indirekt auch an mich gerichtet ist, werde ich mich jetzt auch mal dazu äußern.
Es ist mir persönlich so was von scheiß-egal in welche Körperöffnung mein Gesprächspartner (Oh oh. Schon wieder die böse männliche Form) was einführt oder eingeführt bekommt. (Um auch noch gleichzeitig dem Vorwurf der Schwulenfeindlichkeit auszuweichen.)
Ich für meinen Teil werde die Form Pirat beibehalten, aus zwei Gründen. Es ist erstens kürzer und der Plural Piratinnen sieht einfach nur noch scheiße aus.
Zweitens, in der deutschen Sprache ist es nun mal so, dass der männliche Plural genommen wird, wenn es um eine gemischte Gruppe geht. Die weibliche Form verwendet man in der Regel nur, falls man expliziet auf die Weiblichkeit der Anwesenden hinweisen will. [1] Die oktroyierte weibliche Form bei der Ansprache sollte eigentlich bei einer Partei die sich der Freiheit verpflichtet hat ausgeschlossen sein. Wer aus dieser sprachlichen Eigenheit schließt, dass ich Frauen diskriminieren möchte hat doch einen am Zeiger.
Dass die Piratenpartei keine Themen anspricht die Frauen betreffen kann ich auch nicht nachvollziehen, ich meine es werden ja nicht nur Männer überwacht, oder?
Ach so, die Piratenpartei hat keinen Standpunkt dazu erarbeitet, wie sie mehr Frauen in technische Jobs bekommen möchte oder gegen die Diskriminierung von Frauen vorgeht? Na, ob das evtl. damit zu tun habe könnte, das die Piraten bisher keinen veröffentlichten Standpunkt zum Thema Wirtschafts- und Sozialpolitik erarbeitet hat?
Die Piraten hätten zu wenig Frauen als Mitglieder. Ich weiß echt nicht was ich zu diesem Vorwurf schreiben soll außer, ja es stimmt. (Alle Piraten würden sich einen höheren Frauenanteil wünschen) Aber, was soll man machen? Wir können die Frauen ja nun nicht zur Zwangsmitgliedschaft drängen. (Obwohl…) Dass sich ein Großteil der Frauen aus irgendwelchen Gründen nicht für die Themen der Piraten interessiert, ist ja nun nicht wirklich unsere Schuld. Es ist ja nun nicht so, als würden die Frauen daran gehindert werden, sich zu dem Thema zu äußern.
Warum wir gerade bei dem Thema Immaterialgüterrecht so einen geringen Frauenanteil kann ich allerdings ob der hohen Zahl der weiblichen Jura-Studenten nicht erklären.
Sollen wir nun andere „Frauenthemen“ ins Programm aufnehmen, damit dann mehr Frauen in der Partei sind, die sich aber sowieso nicht für die Kernthemen interessieren? Das wäre doch verlogen.
Generell hat sich bei den Piraten die Frage nach dem kleinen Unterschied bisher auch überhaupt nicht gestellt. Ich habe es bisher eher so erlebt, dass da wo die Grünen auf betont gleichgestellt machen (doppelte Anrede / doppelte Ämterverteilung / Frauenquote), die Piraten auf betont gelebt gleichgestellt machen (jeder nach seinen Fähigkeiten, nicht nach seinem Geschlecht.)
Dass es aber zu einer Frauenquote kommt (und am besten gleich noch eine Ost-, eine Schwulen-, eine Blond- und eine Linkshänderquote) werde ich mit allen Kräften verhindern. Nicht weil ich keine Frauen irgendwo haben will, sondern weil ich die besten Köpfe da haben will. (Die kommen nämlich bei einer Frauenquote, die über dem tatsächlichen Anteil der weibliche Mitglieder liegt, garantiert nicht nach oben.)
Sollte der Frauenanteil bei den aktiven Piraten irgendwann mal signifikant über dem Frauenanteil in den „Führungsetagen“ liegen, können wir gerne weiter reden. Bis jetzt hat (alleine schon aufgrund der geringen Mitgliederanzahl) noch jede Frau eine Chance. Vielleicht stellen sich bei den nächsten Parteitagen ja auch mal ein paar Frauen zur Wahl. Oo
2 comments 3. September 2009
Piraten: Ergebnisse der Landtagswahlen als benötigter Arschtritt
Wenn ich auch den sächsischen Piraten den Erfolg gönne, mit 1,9% (und damit hinter der Tierschutzpartei) kann man eigentlich nicht zufrieden sein. Es ist aber ein Ausgangspunkt von dem man aus kämpfen kann und muss.
Das Gute ist, dieses Ergebnis holt erstmal alle Mitglieder die von 6% (aus der Cicero-Umfrage) oder gar von 11% (einige Mitglieder haben mir doch tatsächlich gesagt, 11% seien machbar) für die Piratenpartei träumen auf den Boden der Tatsachen zurück. Vor allem können wir endlich aufhören imaginäre Koalitionsgespräche zu führen oder Pöstchen zu verteilen.
Das Ergebnis ist sicher nicht in seiner Fülle auf den Bund zu übertragen. Da wären aus meiner Sicht vor allem folgende Gründe die gegen eine Übertragbarkeit sprechen:
- Die Themen der Piraten sind zum Großteil Bundesthemen. Überwachung, Informationsfreiheit, Immaterialgüterrecht fällt bzw. wird dem Bundesrecht zugeordnet. Daher könnte bei einer Bundestagswahl mehr für uns herausspringen.
- Sachsen ist ein Flächenstaat. Wir holen unsere höchsten Ergebnisse in den Städten. Bei einer Bundestagswahl könnten hohe Stadtergebnisse die der Kreise ausgleichen.
- Es ist Sachsen. Mann kann sich zum Vergleich unsere Wählerpotentials ja mal die Ergebnisse der Grünen und der FDP bei der letzten Bundestagswahl anschauen. Trotzdem sitzen beide Parteien erfolgreich im Bundestag.
Allerdings spricht auch einiges für eine Übertragbarkeit:
- Deutschland hat immer noch einen Großteil ländlicher Bewohner. Bei denen sind Themen wie Überwachung nach meiner Meinung nicht so wichtig bzw. sind Städter stärker davon betroffen. Generell sind die Piratenthemen nicht unbedingt die Themen der älteren Generation, die ja in den meisten ländlichen Gebieten die große Mehrheit darstellen. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Dörfer uns bei einer Wahl das Genick brechen.
- 1,9% ist ein Ergebnis, das dafür spricht, dass die Piraten bzw. unser Programm unbekannt ist. Wir liegen hier deutlich hinter der Tierschutzpartei, die ja ihr Programm noch im Namen hat. Wenn sich der Bekanntheitsgrad bis zu den Bundestagswahlen nicht stark erhöht, werden wir hier kentern.
Ich kann dazu nur sagen, wer der Meinung ist sich auf dem medialen Strohfeuer, dass es bis vor kurzem gab, ausruhen zu können oder gerade den, für uns sehr wichtigen, Offline-Wahlkampf vernachlässigen zu können, wird auch bei der Bundestagswahl nur bei 1,9% laden.
1,9% ist kein Wert mit dem man als Partei zufrieden sein darf.
1 comment 31. August 2009