Aber das erfährt doch keiner!
4. Dezember 2007
So ja nun nicht! Erst keine Windows Lizenz haben und dann am Telefon mit mir streiten, ob man das nicht „einfach so“ machen könne.
Nein, kann „man“ nicht.
Was war passiert?
Herr Maier hat gestern, seinen Rechner mit der Fehlerbeschreibung „Der gibt keinen Ton von sich“, zu uns gebracht. Wenig hilfreich, aber damit habe ich kein Problem.
Erfahrungsgemäß kann „Der gibt keinen Ton von sich“ so ziemlich alles bedeuten. Von Totalschaden über kaputte Installation bis hin zu kaputter Soundkarte ist da alles möglich.
Aber ich erwarte ja von einem Kunden nicht, eine hilfreiche Fehlerbeschreibung anzugeben. Es ist schließlich meine Aufgabe es ihm aus der Nase zu ziehen. Ich erwarte ja von meinem Arzt auch, dass er aus der unspezifischen Angabe „Bauchschmerzen“ eine Diagnose macht.
Zurück zum Computer. Das Teil machte in der Tat keinen Mucks mehr. Diagnose: Mainboard klinisch Tod. An sich keine Seltenheit. Da der Rechner eh wie selbst zusammengeschraubt aussah und das Board mehr oder weniger direkt auf dem Gehäuse auf lag, wunderte ich mich eher, dass der überhaupt mal gebootet haben sollte.
Das Board wurde also fachmännisch mittels Kurzschluss hingerichtet.
So ein Boardwechsel ist ja bei neuen Rechnern kein Problem, wenn es sich bei der CPU allerdings um eine Duron mit 462er-Sockel (Einführung anno 2000) handelt, sieht die Sache schon anders aus.
Aber wir sind ja nicht die Bastelbude von nebenan, ergo bekommen wir natürlich innerhalb eines Tages ein Ersatzboard. (Einlieferung des PCs wohlgemerkt nach 17:00 Uhr)
Nach der Diagnose rufe ich den Kunden an, um ihm das Problem und den Preis für sein Ersatzteil zu nennen.
Erfahrungsgemäß geht so ein Boardtausch zwar manchmal auch ohne Neuinstallation, in der Regel aber muss man das System neu installieren, daher frage ich ihn routinemäßig nach seiner Windowslizenz. (Ja, mir ist bekannt wie es ohne geht, aber die Erfahrung zeigt, dass es mit einer Neuinstallation sauberer und einfacher ist.)
Eigentlich hab’ ich mich mit dem Thema Lizenzschlüssel nicht so und für Stammkunden macht man auch mal eine Neuinstallation, ohne dass die ihren ganzen Papierstapel mitbringen müssen, aber in diesem Fall kannte ich den Kunden nicht, an dem Rechner war keine Windowslizenz aufgeklebt und wie oben bereits beschreiben sah der Rechner auch eher zusammengepfuscht aus.
Ich habe ja kein Problem damit, wenn der Kunde keine Windowslizenz hat. Das soll er sagen, dann verkaufe ich ihm eine. Die Alternative ist, dass er eine Erklärung unterschreibt, in der er versichert, dass er eine Lizenz hat, diese aber zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorlegen kann. Es ist mir ehrlich gesagt egal, wie viele Privatpersonen ihre Software nicht ordentlich lizenzieren. Viele sind sich übrigens ihrem Unrecht gar nicht bewusst und eher dankbar, wenn man sie mal aufklärt.
Es gibt aber Dinge auf die ich allergisch reagiere. Das ist zum einen, wenn man von mir offen einfordert, ihm sein Windows mit irgendeinem Key zu installieren, zum Anderen, wenn man mich für dumm verkaufen möchte.
Herr Maier hat nun beides geschafft. Auf meine routinemäßige Frage nach der Windowslizenz, folgte ein offenes „Da hab ich keine. Ich hab das alles von meinem Nachbarn. Das können sie mir doch einfach so drauf machen.“
Meine Standardantwort, dass ich ihm in diesem Fall zwar dass Mainboard gerne einbauen könne, ihm aber leider das Windows auf keinen Fall reparieren könne und strenggenommen eigentlich den Rechner einbehalten müsste folgte eine langwierige Diskussion.
Kern war, dass ich ihm das Windows doch einfach draufmachen könne. Das würden ja schließlich alle so machen, und es würde ja keiner erfahren.
Auf meine Antwort, dass ich mich damit strafbar machen würde, fiel ihm auch nichts mehr ein.
Er wolle sich dann mit seinem Nachbarn noch mal beraten und würde dann später zurückrufen.
Entry Filed under: Kunden. .
Trackback this post | Subscribe to the comments via RSS Feed